Freitag, 17. Mai 2019

Im Hafen von Cascais

Es ist vollbracht, die Fahrt ist beendet! Wir liegen im Hafen von
Cascais, was etwa 30km westlich von Lissabon liegt.

Selbst im Hafen fegt ein ordentlicher Wind. Der vorgesehene Liegeplatz
konnte nicht eingenommen werden, da die Anker an dieser Stelle nicht
griffen. Wir liegen nun zwar wieder vor Anker, aber an besserer Stelle.
Morgen früh, zum Ausschiffen, wird der Kapitän aber am Kai längsseits
gehen, so dass wir nicht über das wackelige Dingy an Land gebracht
werden müssen.

Rositha ist auch soeben gelandet. Morgen werden wir uns in Lissabon treffen.

Das ist das Ende der Trans Antlantik Tour!

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Der letzte Segeltag

Von wegen "Die Eisheiligen sind vorbei"; die sind offensichtlich alle vor die Küste von Portugal gezogen! Ich hab mir gestern zum ersten Mal die langen Unterhosen angezogen. Wer auf Deck ist, hat jetzt typischweise sein komplettes "Ölzeug" an. Ich beschränke mich noch auf die Jacke. Aber Frühsommer geht anders.

Dazu kommt, dass wir "hart-am-Wind" Kurs fahren. Der tatsächliche Wind wird also noch durch den Fahrtwind verstärkt, während das Boot ordentliche Schräglage hat. Ich schlafe trotzdem ganz gut; jedenfalls solange wie es mir gelingt, mich an der Matraze festzukrallen, um nicht rauszufallen. Praktischweise werde ich automatisch daran erinnert, mich festzukrallen, sobald ich es einmal vergesse :-((.

Die Wellen sind noch sehr moderate 1m, aber überlagert auf einer langen Dünung, die nochmal 2m, gelegentlich auch 3m beiträgt. Die Chronos nimmt das locker. Jedenfalls meistens. Manchmal aber überlagern sich die Wellen dergestalt, dass sich vor dem Boot ein Loch auftut, in das das Boot krachend hineinfällt. Der ganze Bootskörper zittert, und die normale Bugwelle wird dann zu einem Mini-Tsunami, und das Boot wird ein weiteres Mal gut geduscht.

Gut dass wir "1st Mate" (1. Offizier) Joan an Bord haben, der gelegentlich einige nautische Lektionen gibt. Hier z.B. zum Wetter. Das Klassenzimmer ist der offene Bereich vor dem Steuerstand. Der Wind pfeift ungehindert hindurch. Vor Antigua war das ein schöner Sitzbereich, aber derzeit drängt sich niemand um die Plätze.

Noch 60 Meilen sind zu fahren; die Ankunft wird am frühen Abend des 17.5. sein. Aber "Lissabon" war eine etwas großzügige Beschreibung des Ankunftsortes. Tatsächlich ist es Cascais, ein Hafenort etwa 30km westlich von Lissabon. Am Samstag werden wir ausschiffen, und - vermutlich per Taxi - nach Lissabon in das Hotel in der Altstadt fahren, welches Rositha (meine bessere Hälfte) gebucht hat. Sie selber wird wohl schon heute in Lissabon ankommen.

Aktuelle Lat-Lon Position

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Donnerstag, 16. Mai 2019

Es wird ungemütlicher

Noch 'ne Spur kälter, noch mehr Wind, und das Vordeck ist dauerhaft nass durch die überspritzenden Wellen. Der Atlantik will noch mal zeigen, was in ihm steckt. Delphine spielen wieder um das Boot, nur Wale lassen sich nicht blicken. Der eigene Fischfang lässt auch zu wünschen übrig; mehr als den einen kleinen Tunfisch gab es bisher nicht.

Apropos: das Bild zeigt unseren Koch in seinem Reich. Vor ihm der Reis für die Sushi Röllchen mit unserem Tunfisch. Hinter ihm der Super-Duper-Ofen für die moderne High-Tech Küche. Der Ofen hat ein Bedien-Display, dass jedes Smartphone in den Schatten stellt. Nur Kartoffeln schälen kann der Ofen, glaube ich, nicht.

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Mittwoch, 15. Mai 2019

Es ist kalt

Wir segeln auf Steuerboordbug hart am Wind genau nach Osten,. Das heißt, ich rolle wieder aus dem Bett, und der Wind kommt aus nördlicher Richtung. Er bringt Kälte mit. Mehrere Pullover sind schon hilfreich, und als Abschluss wenigsten die Jacke vom Ölzeug. Das ist für tagsüber.

Vor der kalten Nachtwache um 0400h hab ich gekniffen; es ist nahezu komplett bewölkt, so dass Planeten und Sterne unsichtbar sind, und auch der Sonnenaufgang, Steuern macht ohnehin der Autopilot - also, was soll ich draußen? Ja, man verweichlicht wenn man Tag für Tag umsorgt wird ;-)

Ich hab wieder eine Stunde am Steuerrad verbracht. Geht schon deutlich besser, aber da ist noch Raum für Verbesserung. Die grosse Masse des Bootes führt zu einem anderen Verhalten als bei kleineren Booten.

Delphine haben wir schon eine Weile nicht mehr gesehen; dafür gab es jetzt vereinzelt Walsichtungen, wenngleich die stets zu weit vom Boot entfernt waren und zu schnell vorbei gingen. Man sieht meist nur die Atmungsfontäne ("There she blows!") und vielleicht noch ein Stück vom Buckel. Ich habe sogar einmal die Schwanzflosse gesehen, d.h. der Wal tauchte wieder ab. Fontäne plus Schwanzflosse dauerte kaum mehr as 1 Sekunde. An fotographieren ist nicht zu denken.

Der Bootsingenieur Mariusz - für alles mechanische und elektrische zuständig - hat mir Motor und weitere Installationen gezeigt. Auf dem Bild liegt seine Hand auf dem 600 PS Hauptmotor. Der wird nur für den Antrieb genutzt.Den Strom erzeugen bis zu 3 Geneartoren; Im Bild unten links und mitte rechts sichtbar als verkapselte Aggregate. Die Leistung entspricht der Anschlussleistung von 2 Einfamilienhäusern.Hinter der Silberfolie im Hintergrund steckt der Dieseltank. Aber nur für den TAGESBEDARF! Der gesamte Vorrat ist 20 mal so groß und reicht je nach Motornutzung für ein bis zwei Monate. Er wird tief im Schiff in der Bilge gelagert.

Ein Teil des Stroms wird für die Meerwasserentsalzung per Osmose genutzt, gezeigt im zweiten Bild. Das entsalzte Wasser schmeckt ok. Es hat insebsondere nicht den "Tank-Geschmack" von Wasser, dass in einem Stahltank gelagert wird. Auch das ist trinkbar, wird aber nur für Waschbecken, Dusche etc genutzt.

Die Geräusche der Generatoren sind kaum wahrnehmbar. Der große Motor hingegen schon, aber er ist leise genug, dass man schlafen kann. Da er auch noch sehr gleichmäßig läuft, nimmt man den Motor nach einer Weile nicht mehr wahr.

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Dienstag, 14. Mai 2019

Weiter nach Lissabon

Der Atlantik ist wieder sehr pazifisch, kleine Wellen, nur leichte Dünung. Letzte Nacht war kaum zu merken, dass wir unterwegs waren; im Hafen hätte es kaum stärker geschaukelt. Leider fehlt der Sonnenschein. Der Himmel war jetzt Nacht und Tag stark bewölkt. Sterne sehen ist zur Zeit nicht drin. Der Wind kommt mäßig stark "von rechts".

Diese freundlichen Bedingungen veranlassten den Kapitän zu einer Ermutigung aller Passagiere, es auch mal mit steuern zu versuchen. Ich war natürlich gleich dabei.Auf der Rhea hatte ich ja schon mal gesteuert, und nun auch auf der Chronos. Beide Boote verhalten sich gleichartig. Am Steuerrad fühlt man NIICHT den Ruderdruck, was normalweise der Fall ist, und sehr hilfreich um zu erahnen, was das Boot als nächstes tun wird. Hier ist man darauf angewiesen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann man genug Gegenruder gegeben hat, und wieder rückdrehen muss. Dazu beobachtet man den Kompass und die Bugspitze des Bootes. Am besten wären Kirchtürme, Brücken, etc. aber ein paar markante Wolken würden es auch tun. Leider gibt es am Horizont nur eine graue Wolkenmasse, in der man keine Zeichen erkennen kann.

Es ist aber schon ein angenehmes Gefühl, wenn man sieht, dass man dieses Riesending von einem Boot kontrollieren kann. Man muss sich aber sehr konzentrieren! Eine Unaufmerksamkeit, und schon ist man 10° und mehr vom Kurs abgekommen. Der Autopilot hat diese Probleme nicht; der steuert stur des Kurs, 24h am Tag, 7 Tage die Woche. Jedefalls, solange man mit "weissen Segeln" unterwegs ist. Unter den bunten Spinaker Segeln - hier an Bord nicht vorhanden - könnte der Autopilot aber Problme bereiten. Da ist noch manuelles Segeln angesagt.

Und endlich, wir haben einen Fisch gefangen, einen Tunfisch. Gut, ist eher ein Fischlein angesichts von über 20 Personen, aber wenigsten einmal in bisher über 2 Wochen. Morgen gibt es Sushi. Der Koch meint, auch Fisch müsse wenigstens 1 Tag abgelagert sein. Schaun mer mal.

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Montag, 13. Mai 2019

Unterwegs nach Lissabon

Na, das war eine Überraschung! Ein wirkliches Last-Minute Angebot für eine Weiterfahrt auf Chronos, die voraussichtlich am 17.5. in Lissabon endet. Ich habe jetzt wieder eine ganze Kabine für mich. Damit werde ich einen Tag früher auf dem Festland sein, als geplant, aber in Lissabon, nicht in Gibraltar. Und werde auch von Lissabon aus nach Hause zurückfliegen.

Die Chronos war eigentlich komplett ausgebucht. Aber, bedingt durch die stürmischen Verhältnisse am Vortag, haben einige Passagiere es nicht geschafft, rechtzeitig am Boot zu sein. Sie waren gestrandet in Lissabon und auf verschiedenen Azoren Inseln - es gab einfach keine Flugverbindungen mehr. Merke: bei solchen Dingen immer ein paar Tage Reserve vorhalten!

Ganz kurios, ein Mitsegler, der genau wie ich via Madeira nach Gibraltar wollte, wurde ebenfalls nach Hause geschickt, und flog nach Hause am Morgen des Tages, an dem die leeren Kabinen bekannt wurden. dies jedoch erst am Nachmittag.

Abends um 10:00h haben wir abgelegt, und uns unter Motor erstmal aus dem Inselwirrwar herausgeschlängelt. Nun, gute 12h später, segeln wir mit guter Geschwindigkeit von 9kn. Wir sehen immer noch Land, allerdings ist es eine andere Azoreninsel. Wenn die vorbei ist, gilt wieder "nur Wasser". Im Augenblick fängt es an zu regnen. Es ist schon recht kalt; zwei Pullover übereinander sollten es tagsüber schon sein. Nachts noch das Ölzeug drüber!

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Sonntag, 12. Mai 2019

BREAKING NEWS: Alles auf Anfang - Weiter geht's mit der Chronos!

Gäste, die auf der Chronos für die Fahrt nach Lissabon gebucht waren, haben es nicht geschafft, Horta zu erreichen. Deren Platz wurde mir angeboten, ich habe angenommen.

Also, keine Rückkher von Horta, sondern Weiterfahrt nach Lissabon. Nicht auf der Rhea, wie eigentlich gebucht, sondern auf der Chronos, auf die wir ja auf der Hohen See übergesetzt wurden.

Muss schnell packen.

Auf Horta

Ich sitze jetzt in einem Hotel am Hafen von Horta. Morgen werde ich nach Lissabon weiter fliegen, nochmal in einem Hotel übernachten, und am Dienstag schliesslich nach Düsseldorf fliegen.

So ein bisschen ist das wie bei einem Schiffbrüchigen, der auf die Verladung wartet; ganz falsch ist es ja nicht.

Die letzten beiden Tage waren etwas hektisch. Ich hatte beim Sailing-Classics (SC) Büro angefragt, und meinen Wunsch nach einem Gesamt-Atlantik-Crossing betont. Daraufhin kam die Antwort, dass die Chronos voll belegt wäre und also kein Platz für mich auf Chronos vorhanden ist, und dass eine Weiterfahrt als Passagier auf der Rhea aus diversen, nennen wir es, juristischen Gründen, nicht möglich wäre. Aber, so das Angebot, ich könnte mit einem Arbeitsvertrag "Hand-für-Koje" als Crew auf der Rhea mitfahren, ergo als Mannschaft, nicht Passagier, und ohne Service.

Also, ich als Leichtmatrose ohne Bezahlung, beauftragt mit Deck schrubben, Fensterrahmen lackieren und Edelstahl polieren? Und endlich in einer engen Koje schlafen, nicht in diesem fürchterlich breiten, bequemen Bett? Das hat was, dachte ich, und war geneigt zuzusagen. Ein Gespräch mit dem Rhea Kapitän stand aus.

Dann aber kam die Absage des Eigners von SC, der erfreulicherweise auch das Schaden-Problem und die Folgeprobleme in einer Email ausführlich erklärt hat. Der Schaden war ungefähr so, wie bereits vermutet. Jedoch ist er zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten aufgetreten, und dies trotz zertifizierter Reparatur und explizierter Validierung vor Abreise, dass alles in Ordnung war. Das führte zu Stirnrunzeln nicht zuletzt bei der Organisation, die für diese Art von Schifffahrt zuständig ist, und die die Rhea daraufhin unter besondere "Restrictions" stellt, die es nur Personen mit Zertifikat als Berufsschiffer erlaubt, an Bord zu sein.

Also, nix mit meiner neuen Karriere als Leichtmatrose auf der Rhea. :-(

Dann blieb nur der Rückflug. Und so warte ich auf den Abflug.

Horta

Horta ist eine kleine Stadt mit nur wenigen Tausend Einwohnern auf der Insel Faial. Faial liegt etwa in der Mitte des Archipels der Azoren, und knapp 300km von der Hauptinsel Sao Miguel entfernt. Die Azoren gehören zu Portugal, und damit zur EU. Die Zeit ist noch mal 1h weiter als zu Madeira (DE:16:00h, Azoren:14:00h).


Horta ist DER Anlaufpunkt für Atlantiksegler. Die Mauern im Hafen - und mittlerweile sogar die Wege und Wellenbrecher im Wasser - sind dekoriert mit den Bildern der Segler, die sich hier verewigen. Jedenfalls so lange, wie die Farbe hält; dann wird die Stelle irgendwann übermalt. Die Thor Heyerdahl aus Kiel ist jedenfalls ein sehr aktiver Atlantiksegler, wie man im Bild sieht.

Im Hintergrund rechts sieht man die Hafeneinfahrt, und geht man weiter nach links, auf etwa 1/4 der Bildbreite, kann man Chronos und Rhea liegen sehen, mit den markanten Wishbone Gabelbäumen oben an den Masten.


Jeder Atlantiksegler geht natürlich zu Peter, in das Cafe Sport. Das Bild zeigt schön den portugiesischen Stil: der Fußweg mit schwarz-weißem Pflastersteinmuster, die Häuser mit den dunkelfarbigen Rahmen um Fenster und Türen bei hellfarbigem, meist weißen, Wänden.


Hier ein Bild auf Chronos (links) und Rhea (rechts). Genau hinschauen: seht Ihr die "Ameisen" in den Masten beider Schiffe? (Bild anklicken zum Vergrößern)


Ein Chevrolet Klassiker bei der Hortaer Feuerwehr. Ob der je zum Einsatz kommt, so blank poliert, wie der ist? Wäre fast schade.



Samstag, 11. Mai 2019

Ankunft auf Horta

Wir sind im Hafen! Nach 2391 Seemeilen in 14.5 Tagen haben wir es geschafft. Jetzt muss ich packen, um das Schiff zu verlassen. Wann ich hier wegfliege ist noch offen. Ich melde mich wieder.

Anbei die Sicht von Land und das Festmachen an der Hafenpier. Der Kapitän hatte ein sehr souveränes Anlegemanöver gemacht. Der Wind ist gestern stärker geworden, und hat heute noch mehr aufgefrischt. Es wäre sehr unangenehm geworden.


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Freitag, 10. Mai 2019

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Noch 100 Meilen

sind es bis nach Horta auf der Azoreninsel Faial. Heute abend werden wir da sein. Ein bisschen aufregend ist das schon nach zwei Wochen auf See.

Im Augenblick regnet es wieder. Heute morgen, gegen 6:00h, gab es fast schon ein Gedränge auf dem Vordeck. Die Chance auf einen letzten Sonnenaufgang wollten sich viele nicht engehen lassen. Wie üblich konnte man die Sonne nur durch einen Wolkenvorhang sehen. Jetzt ist es auch wieder 100% bewölkt. Warum ist eigentlich ein Sonnenaufgang immer wieder attraktiv, wo man doch so viele schon gesehen hat?

Delphine sind fast den ganzen Tag durch zu sehen. Mein Eindruck ist, dass sie gezielt zum Boot kommen. Vielleicht sehen sie das als Spielzeug für eine willkommene Abwechslung?

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Donnerstag, 9. Mai 2019

Smooth Motoring

Na also, man muss dem Meer nur mal ordentlich die Meinung sagen, schon hört die Rollerei auf! Das Meer ist wieder so flach wie am Anfang. Nur kälter ist es. Und weniger Sonnenschein gibt es. Und wir fahren unter Motor, da wenig Wind.

Den Delphinen (Tümmlern?) scheint es Spass zu machen, mit dem Boot zu spielen. Sie flitzen am Boot entlang, und springen durch die Lüfte. Es sind so viele und erscheinen so häufig, dass kaum einer noch aufsteht, wenn wieder Mal der Ruf "Delphine" ertönt.

Gestern hat es geschüttet; heute ist es wieder trocken, mit etwas Sonnenschein.Kurs direkt nach Horta. Heute abend erreichen wir den Breitengrad von San Francisco, 38°N. Morgen abend, 10.5. abends, erreichen wir Horta.

Da es so stark regnete war der Salon der beliebteste Aufenthaltsort. Eine Gruppe feierte in den Geburtstag einer der Passagierinnen hinein. Heute morgen hat dann der Koch eine Torte zubereitet.

Was ist falsch mit dieser Torte?

Antwort: Offenes Feuer auf dem Boot! Oh, ho, die Sitten beginnen zu verlottern!

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Mittwoch, 8. Mai 2019

Was macht man auf einer "Watch" wenn es zu dunkel ist, um überhaupt etwas zu sehen?

Die Wache muss das Boot in die richtige Richtung steuern und die Segel korrekt handhaben (hissen, runternehmen, reffen, trimmen). Segel ändern macht man in der Dunkelheit seltener, eben weil man so wenig sieht. Und die Wache muss natürlich Probleme vermeiden, wie Kollisionen mit anderen Booten, Bojen, Felsen.

Zum klassischen Steuern braucht man den Kompass, der geeignet beleuchtet sein muss, früher vielleicht mit Öllampe, heute mit LEDs. Das reicht eigentlich auch schon.

Hilfreich sind aber auch eine ganze Reihe weiterer Instrumente, die eine eigene Beleuchtung haben, wie ein Windmeter, das Windstärke und Windwinkel anzeigt. Dann gibt es heute noch haufenweise weitere Displays mit relevanten Informationen. Diese sind letztlich ein Computer Display, leuchten also auch, wie z.B. eine GPS Anzeige, möglichst mit unterlegter Karte.

Wichtig ist, das möglichst alle Instrumente rot-leuchtende Anzeigen haben! Das Problem ist, dass wir uns an die Dunkelheit erstmal gewöhnen müssen. Das dauert bis zu einer Stunde. Wenn man dann aber in weisses Licht blickt -- an ganz großes Problem sind insbesondere die beliebten Kopflampen an anderen Personen! -- muss man erneut die Eingwöhnung an die Dunkelheit durchmachen. In rotes Licht hingegen kann man schauen, ohne die Dunkelsicht zu verlieren! Selbst hohe Intensitäten roten Lichtes sind möglich. Warum das so ist erschliesst sich mir nicht, aber die Erfahrung bestätigt das vielfach.

Neben den Instrumenten vor sich muss man natürlich auch die Umgebung absuchen um sicher zu sein, nicht mit einem Boot/Schiff zu kollidieren. Diese kann man nur sehen, wenn diese auch ihre Beleuchtung anhaben, also die roten, grünen, und weissen Navigationslichter.

Heutzutage ist dies nicht mehr so wichtig, weil alle größeren Boote/Schiffe ein "AIS-System" an Bord haben. Dies ist ein UKW basierendes System, mit dem Infos über das eigene Boot (Größe, Art, Geschwiniidkeit, Kurs, etc...) weitergegeben werden. Und alle anderen können dies über ihren Display sehen, einschließlich Angaben, ob die Gefahr einer Kollision besteht, und wann diese stattfinden würde. Ist ungemein hilfreich!

Aber es gibt vor allem in Küstennähe immer wieder kleine Fischer oder auch Segeler, die kein AIS haben, und auch keine Navigationslichter setzen. Diese sind praktisch unsichtbar.Da hilft nur:

Be on Watch!

Anmerkung: Die englische "Watch" und die deutsche "Wache" bezeichnen in beiden Sprachen sowohl die Tätigkeit "auf Wache stehen", auf englisch "to stand one's watch", als auch die Personen, die diese Tätigkeit ausüben. Im Englischen klingt aber noch das "beobachten" mit durch, während das Deutsch sich auf "Wach sein" zu beschränken scheint.

Ob das historisch die richtige Ableitung ist, weiss ich nicht.

Rolling Home, Rolling Home

Mann, die Rollerei habe ich langsam so richtig satt! Heute Nacht wieder kaum geschlafen. Die Chronos rollt deutlich mehr als alle anderen Boote, die ich bisher gefahren bin; den kleinen Kiel als eine der Ursachen hatte ich ja schon diskutiert. Die Rhea ist wie ein Zwilling, und wird ganz genauso sein.

Das Rollen an sich ist ja gar nicht das große Problem - das große Bett ist es! In einer schmalen Koje könnte man sich ja so verklemmen, dass man nicht hin- und hergeworfen wird. In dem großen Bett muss man einen Teil der Aufmerksamkeit darauf richten, nicht aus dem Bett zu fliegen, was einen dann nicht zum Schlafen kommen läßt.

Beide Boote sind noch immer in Sichtweite voneinander und auf gleichem Kurs. Ein besonderes Ereignis gestern war die erste Halse der gesamten Tour! (Bei der Halse geht der Hintern durch den Wind, im Gegensatz zur Wende, wo der Kopf durch den Wind geht). Wie es scheint müssen wir noch eine weitere Halse machen, aber ... schlafen wir noch mal drüber ;-)

Seit fast drei Tagen ist es fast durchgehend vollständig bewölkt. Sterne sieht man keine, Sonne nur sehr gelegentlich. Regen, leider kalter Regen, mehrfach. Der Ozean trägt mit einem gelegentlich Schwapp auf das Deck zur Feuchtigkeit bei.

Die Feuchtigkeit führt dazu, dass es an einigen Stellen in den Kabinenbereich hineintropft. Die Crew hatte ein Handtuch auf dem Flur ausgebreitet, damit das Wasser aufgenommen wurde. Dieses Handtuch auf dem Parkett-artigen Fussboden, in Kombination mit dem wackleigen Boot, stellt aber eine rutschige Falle dar, die ich gleich ausprobiert habe :-(

Prellungen im Rücken, Becken und Armen, sowie Abschürfungen an den Händen, Fingern waren die Folge. Ich habe ein paar Pflaster drübergetan sowie etwas "New Skin" (Katja, bitte schreib das auch auf Deine Einkaufsliste!). Wir haben aber einen medizinischen Doktor an Bord, der darauf bestand, einen ordentlichen Verband anzulegen. Ich bin aber nicht der Einzige, der Blessuren hat. Der Doktor war busy.

Das ist dann das erste Mal, dass ich auf einem Segelboot einen Verband verpasst bekommen habe. Was wird erst auf dem festen Land passieren?

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Dienstag, 7. Mai 2019

Rolling Home

Beide Boote segeln nahezu unverändert; Rhea bleibt in Sichtweite am Horizont. Ankunft auf Horta am 11.5. scheint probemlos möglich zu sein.

Für die weitere Reise habe ich von Sailing-Classics nur mitgeteilt bekommen, dass auf der Chronos für mich kein Platz sei; Alternativen wurden nicht diskutiert. ????

Seit gestern abend regnet es. Nicht ein kurzer, wamer Schauer wie nahe Hawaii, sondern kalter Dauerregen. Dazu kommt noch ein gelegentlicher kalter Schwapp vom Meer, wo die Wellen mittlerweile sogar gelegentlich die 3m Marke knacken. Bewölkung 100%, Sonne nicht zu sehen, Wind ordentlich, gut zum Segeln.

Heute nacht gegen 1h ging eine Alarmanlage des Bootes an, und hörte nicht mehr auf. Sollte eigentlich ein Signal für alle sein, sich im Achterbereich einzufinden. Ich war die zweite Person; mehr kamen nicht. Der Käptn meinte aber, dass keine Gefahr bestünde; es sei nur ein Defekt an "der Hydraulik". Hmm. Wovon? Anscheinend sinken wir auch ;-)). Bin also zurück ins Bett.

Aber von Schlafen war keine Rede. Das Boot rollt fürchterlich. Ich glaube, ich hatte schon beschrieben, dass das Boot einen eher kleinen Kiel hat, was die Rollerei begünstigt.

Was nahe Antigua gut funktionierte, nämlich sich quer zum Boot über beide Betten zu legen, habe ich hier auch versucht. Aber damals waren wir auf Hart-am-Wind Kurs und das Boot lag zwar schräg, aber lag stabil schräg. Heute, mit Wind mehr achterlich (von hinten kommend), das Boot rollt von weit links-schräg, bis weit rechts-schräg. Liege ich dann quer zum Boot fühlt es sich an, als würden meine Eingeweide vom Hintern bis zum Hirn hin-und-her schlackern. Mehr als 10 min habe ich das nicht ausgehalten.

Liege ich längs zum Boot, kann ich mich an die Wand anschmiegen. Aber dann riskiere ich, bei der nächsten Roll-Richtungsänderung selber vom Bett zu rollen. Das vermeidet man, indem man - ganz unwillkürlich - alle Muskeln anspannt. Ich hab überall Muskelkater :-(. Oder indem ich ein Bein ausstrecke, und dann im rechten Winkel liege. Aber Schlafen ist dann kaum möglich.

Mit tiefem Seufzen denke ich an wunderschön engen Schlafkojen der Crew ...

Wer findet die Rhea in dem Blick durch das Bullauge? (Hint: fast genau im Zentrum)

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Montag, 6. Mai 2019

Status von Rhea und Chronos

Wir sind auf Chronos von sowohl Crew wie auch Passagieren freundlich empfangen worden, und haben einen angenehmen Tag verbracht, mit gelegentlich kräftigem Sonnenschein aber kaltem Wind. Vor dem Abendessen hat noch eine Schule (nennt man das so?) von Delphinen - oder waren es Tümmler? - seine Aufwartung gemacht. Schätzungsweise 50 Tiere haben mit gelegentlichen Luftsprüngen ihre Show gemacht. Abendessen war gut; die beiden Köche sind beide wirklich gut! Danach bin ich gleich ins Bett gegangen, da ich von der vorhergehenden Nacht, die einen von der vielen Bootsrollerei kaum zum Schlafen kommen liess, übermüdet war. Hab' ich gut geschlafen!

Die beiden Boote Rhea und Chronos fahren jetzt auf Sichtweite. Unser Horizont ist etwa 5 sm entfernt, die Rhea ebenfalls. Also sollte sie sichtbar sein. Ist die auch, aber seht auf dem beiliegenden Bild, was das für ein kleines Pünktchen ist! Der Pfeil zeigt drauf. Dabei ist das immerhin ein 54m langes Boot, mit Masten bis zu 48m, und einer Segelfläche von 1000m².

Beide Boote werden wohl am 11.5. zur geplanten Ankunftszeit von Chronos im Hafen von Horta, auf der Insel Faial der Azoren ankommen. Die Ankunft von Rhea in Madeira am 13.5. ist natürlich unmöglich. Entsprechend fällt auch die geplante Fortsetzung auf Rhea mit Ziel Gibraltar, die ich ja auch gebucht hatte, aus.

Die Chronos, hingegen, wäre bereit für die Fortsetzung der Reise nach Lissabon. Diese Reise war aber voll ausgebucht. Ergo müßten die vorhandenen Passagiere rausgeworfen werden, damit die neuen Platz haben. Von den alten Passagieren wollten aber nicht nur die meisten nach Madeira, sondern einige, wie ich, auch weiter nach Gibraltar. Ergibt die interessante Frage welche der Passagiergruppen Sailing-Classics durch Rauswurf verärgen will!

Einige Fragen hat die Aktion ja schon aufgeworfen.

Warum das Boot verlassen werden musste, bleibt mir immer noch unklar. Bekannt ist jetzt, dass ein Lager der Ruderblatt Steuerung abgefallen ist; schlicht weg ist. Das sich dies zu einem größeren Schaden ausweiten könnte (das noch vorhandene obere Lager wird stärker beansprucht, und könnte Leck werden, wodurch Wasser einströmt) leuchtet mir auch ein.

Nur, wenn das für die Passagiere ein Problem ist, warum nicht für die Crew? Von der ist nur einer zur Chronos rübergegangen, weil dieser für die jetzt dreimal größere Passagiergruppe benötigt wurde. Und umgekehrt, wenn für die Crew keine Gefahr besteht, warum sollte sie dann für die Passagiere bestehen? Ein Übersetzen auf dem Hochatlantik von Boot zu Boot im Dingy ist ja nun nicht gerade ungefährlich und hätte zu Personenschäden führen können. Warum sollte das das geringere Risiko sein, wenn für die Crew keines besteht?

Es gehen Gerüchte herum, dass die Geräusche, die am Ruder auftraten, schon in der Sailing-Woche vor unserem Start wahrgenommen wurden. Ergibt sich die Frage, warum dann die Untersuchung nicht gleich gemacht wurde, sondern erst auf der hohen See? Damit unser Start nicht verschoben werden musste?

Diese Verwunderung wurde gesteigert durch eine etwas merkwürdige Kommunikation durch den Kapitän der Rhea, der eine "Routineinspektion" des Bootes angekündigt hatte. Routine? Auf der Hochsee? Mit einem Taucher mit Flasche? Es ist, glaube ich, nachvollziehbar, dass ich und einige andere sich auf den Arm genommen fühlten.

Dann wurde nicht erklärt, was passiert ist, ausser mit einigen nichts sagenden Phrasen. Meine obige Erklärung ist meine eigene; vom Kapitän kam sie nicht. Ob sie überhaupt stimmt, weiss ich also nicht. Hätte ich die Fotos, die mit meiner Kamera gemacht wurden, nicht gesehen, wüßte ich noch immer nicht, was das Problem war. Wir Passagiere der Rhea haben dann mit sehr großer Verwunderung festgestellt, dass die Crew und Passagiere auf Chronos mehr über den Schaden wussten, als wir selber. Und die Frage, warum es ok ist, die Crew auf Rhea fahren zu lassen, aber nicht die Passagiere, blieb unbeantwortet.

(Note: Höre gerade den Schrei vom Deck: "Delphine!" Sie tanzen wieder!)

Jetzt bin ich gespannt, wie Sailing-Classics die Sache angehen wird. Wird das das Marketing Debakel des Jahres, oder kann Sailing-Classics die Sache drehen zum PR-Erfolg des Jahres?

Haltet Pop-Corn bereit, stellt die Lehne zurück, und schaut die neue Episode von "Segel-Traumschiff" hier auf Eurem Sender.

Sonntag, 5. Mai 2019

Ein erster Gruß von Bord der Chronos

Geschafft! Alle Passagiere und ihr Gepäck sind von der Rhea auf die Chronos umgezogen! Und nicht ein einziger Unfall ist passiert. Gut, dass die meisten beim Besteigen der Leiter durch das rollende Boot bis in den Hintern eingetaucht sind, zählen wir gar nicht erst unter Mißgeschick. Trocknet ja wieder.

Das erste Mittagessen haben wir auch hinter uns. Auch dieser Koch ist vielversprechend!

Der Transport zwischen den Booten fand im Dingy statt, das ist ein mittelgroßes Schlauchboot mit einem kräftigen Aussenbordmotor. Joan, der "First Mate" (Steuermann) der Chronos hat ein paar heiße Aktionen gezeigt. Das Meer war vergleichsweise ruhig, aber doch alles andere als flach.

Aber wer kann schon von sich behaupten, 2000 km von Land entfernt mit dem Dingy auf dem Atlantik gefahren zu sein?

Dann wurden die Kabinen zugewiesen. Wir waren jetzt mehr Personen, resp. Paare, als es Kabinen gab. So mußte es Doppelbelegungen geben. Ich habe quasi den langen Strohhalm gezogen, und wieder eine Kabine für mich. Diesmal sogar mit zwei Bullaugen. Da kann ich ja mit beiden Augen gleichzeitig rausgucken ;-)

Die neuen Kursberechnungen muss ich erst noch machen. Wir rechnen bisher weiterhin mit der geplanten Ankunft am 11.5.

Ein technischer Defekt am Boot

Dieser Post ist ernsthaft; kein Witz, kein Spass, kein Seemannsgarn. Das Boot hat einen Defekt an der Ruderanlage, was als Notsituation angesehen wird. Lebensgefahr besteht NICHT, weder für Crew noch Gäste.

Der gestrige Tag war besonders. Abends gab es das Käptn's Dinner. Sogar der Kapitän, der sonst eher ein entspanntes Verhältnis zu formaler Kleidung hat, hatte ein weisses Hemd an (uiii), mit den passenden Schulterklappen (uii, uii). Auch ich hatte ein weisses Hemd an mit einer Hose, so dass ich sogar in vornehme Antiguanische Hotels vorgelassen worden wäre. Es ging fröhlich zu, bei gutem Essen (aber das brauche ich ja gar nicht mehr extra zu erwähnen), wenngleich nicht für den Kapitän; dazu komme ich gleich.

Ausserdem konnten wir ungefähr zur Dinner Zeit unsere Gipfelparty feiern, also den Punkt wo wir die Hälfte des Weges hinter uns gebracht haben. Jetzt sollte es eigentlich auf direktem Wege nach Madeira gehen. Sollte.

Dem Kapitän, und seinem Steuermann, war aufgefallen, dass die Ruderanlage merkwürdige Geräusche von sich gab, und orderte eine Unterwasserinspektion an.

Die Glühbirneneinschrauberin der Lüfte musste jetzt die Druckluftflasche aufschnallen und in die Tiefe gehen, und unter Wasser Fotos von der Ruderanlage aufnehmen. Ich war wohl der einzige an Bord, der eine Unterwasserkamera dabei hatte, und so kam meine neue Nikon Coolpix W300 zum Einsatz (bin soweit zufrieden mit der Kamera). Der Defekt an der Ruderanlage wurde bestätigt.

Noch funktioniert die Steuerung, aber ein Ausfall wird befürchtet. Nach aktuellen Stand (von gestern abend) wurde beschlossen, das Schwesterschiff Chronos zu Hilfe zu rufen. Dies hatte gleichzeitig mit der Rhea in Antigua abgelegt, war aber in Richtung Azoren unterwegs, während wir ja nach Madeira wollen. Alle Passagiere der Rhea sollen, auf hoher See, in die Chronos umsteigen! Das wird interessant. Das Meer ist aber derzeit wieder sehr ruhig.

Während des Dinners musste der Kapitän mit Deutschland reden, wo es Mitternacht war, um die ganze Organisation in die Wege zu bringen.

Die Entscheidungen haben Konsequenzen für die Boote und deren weitere Reisen. Sailing Classics wird nicht glücklich sein. Die Boote sollen im Verbund fahren, und zwar Richtung Azoren. Dann wird Chronos zu spät kommen, um die nächsten Passagiere aufzunehmen, und Rhea gar nicht in Madeira sein, wo die neuen Passagiere warten. Diese Fahrten müssen also wohl alle gestrichen werden. Das Ersatzteil soll aus Deutschland angeliefert und auf den Azoren eingebaut werden. Wie lange das dauert ist unklar. Es ist nicht auszuschliessen, dass alle derzeitigen Passagiere von den Azoren nach Hause geflogen werden.

Die Chronos ist bereits hinter und zu sehen, vielleicht 1 Meile entfernt. Aber erstmal gibt es Frühstück!

Irgendwie scheint es nicht sein zu sollen, dass ich den Atlantik überquere; das ist ja bereits mein zweiter Versuch.

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Samstag, 4. Mai 2019

Es ist kalt. Und dunkel.

Bild vergessen.

Es ist kalt. Und dunkel.

Schluß mit lustig. Wir segeln wirklich auf einem Ozean.

Heute nacht habe ich zum ersten Mal meine "Ölzeug" Jacke angehabt. Glücklicherweise hat das ja nichts mehr mit Öl zu tun, ausser das die Kunstfasern der Jacke letzlich aus Öl hergestellt wurden. Da drunter bin ich warm angezogen. Ich hab zwar noch ein paar Zwiebelschalen zum zulegen, aber die werden wir kaum brauchen. Wir sind bereits nördlicher als Madeira, und werden höchstens noch ein sehr kleines Stückchen nach Norden gehen, wo besserer Wind sein mag. Aber größere Umwege lohnen nicht mehr.

Dabei sind wir auf 33° Nord, was noch immer sehr südlich ist. Das ist etwa die südliche Grenze des Mittelmmers - Marokko, Lybien, Ägypten. Jerusalem liegt auf ca 33°N. Man sollte meinen, dass es wärmer ist. Aber nein. Nicht auf der 4 Uhr Wache auf dem Meer.

Dazu kam ein vollständig bedeckter Himmel. Sterne kamen nicht durch, auch nicht der Mond (der derzeit sowieso im Neumond ist). Es war so pechschwarz, ich konnte meine ausgestreckte Hand nicht mehr sehen; ich hab's probiert.

Nach Sonnenaufgang gelegentlich wieder etwas Sonnenschein, aber warm ist es nicht mehr. Ade den kurzen Hosen, oder gar Badehosen. Ich trage lange Jeans. An Deck sehe ich einige Daunenjacken ;-)

Der Wind hat leicht nach vorne gedreht, was das Boot wieder stabiler macht. Allzuviel Rückenwind mag die Rhea gar nicht. Eigentlich eine schlechte Voraussetzung für eine Fahrt in der umgekehrten Richtung von Kap Verden Insel in die Karibik. Das dürfte zwar angenehm warm sein, aber ich fürchte, auch sehr, sehr schaukelig! Der Hauptgrund für das Schaukeln ist vermutlich der kleine Kiel. Der müsste vermutlich deutlich verlängert werden, um das Boot zu stabilisieren, aber dann kommt man in manche Häfen nicht mehr rein. Irgenwo muss der Bootsbauer Kompromisse machen.

Das beigefügte Bild zeigt wie immer gefahrene und verbleibende Strecke. Die roten Pfeile sind Windpfeile. Der dicke blaue Pfeil zeigt auf den Wind in den nächten 24h -- weitgehend Wind aus Nordwesten. Der dicke grüne Pfeil auf die Zeit danach, nämlich Wind aus Südwesten. Dazwischen müssen wir eine Halse machen (mit dem Hintern durch den Wind gehen), die erste Halse auf dieser Tour. Aber auch hier können wir fragen: "Machen wir 'ne Halse, oder schlafen wir nochmal drüber" ;-)

Wir haben guten Speed bis über 10kn. Damit würden wir einen Tag zu früh ankommen ...

Aktuelle Lat-Lon Position

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Freitag, 3. Mai 2019

Von wegen: "pazifischer Atlantik"!

Pazifisch heisst ja eher etwas wie ruhig, friedlich. Der Atlantik entwickelt sich gerade zum Rabauken! Nach einer ruhigen Nacht - so ruhig, dass leider wieder der Motor lief - begann der Morgen mit Windgeschwindigkeiten bis 33 kn (Windstärke 7+). Das kann sich sehen lassen. Erst kam das Fisherman Segel (das mit dem Wishbone) runter, dann das Mizzensegel (das hintere Großsegel), dann wurde die Gibb (1. Vorsegel) gerefft. Der Kahn lief immer noch 9+ kn. Der Wind kam aus günstiger Richtung, leicht achterlich.

Das aber macht das Boot beträchtlich instabiler! Es stampft, geht also vor vorne stark nach oben, und fällt dann wieder nach unten. Noch viel unangenhmer ist aber, dass es sehr stark rollt, d.h. es dreht sich um seine Längsachse hin und her. Dem Schiff droht keine Gefahr, aber wir haben Mühe, aufrecht zu gehen. Ein guter Teil des Geschirrs hat bereits beschlossen, dass es erneuert werden will. Ich sitze im Speiseraum, und höre ständiges Klirren. Bei soviel kaputtem Porzellan sollte ich Lotto spielen ;-))

Das Meer ist ebenfalls rauher geworden. Die Wellen erreichen jetzt 2m, einige auch ein bisschen drüber. Für das große Schiff aber sind das immer noch nur kleine Hügel. Aber immerhin sind sie so groß, dass sie ebenfalls zur "Bespaßung" der Gäste beitragen. Jetzt wird sich zeigen, on wir in den letzten Tagen gelernt haben, mit der Schaukelei fertig zu werden.

Bevor diese Schaukelei begann hatte der Kapitän noch angeordnet, die Glühbirne der Mastbefeuerung (Navigationslicht grün) auszutauschen. Die junge Steuermanns-Anwärterin (ist das eine Steuermannin? Steuermännin? oder Steuerfrau?) ist hinaufgegangen. Das geschieht in dem "Bosun Chair", einem Geschirr mit diversen Gurten, mit denen man sicher eingebunden ist, und dann hochgezogen wird. Der Mast ist immerhin so hoch wie ein 15-stöckiges Haus! Nichts is da einfach.

Heute ist die andere Glühbirne ausgefallen. Die wird wohl erstmal aus bleiben. Im Augenbick schwankt der Mast an der Spitze um einige 10m hin und her!

Der Kurs zeigt nichts neues. Das Bild zeigt den gefahrenen Kurs (runde Punkte) und die berechnete beste Strecke.

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Donnerstag, 2. Mai 2019

Der Wind frischt auf

Zum Badestop wurden die Segel heruntergenommen damit das Boot nicht davonschwimmt, wenn Gäste und Mannschaft im Wasser sind ;-) Wär ja echt peinlich.

Der Wind war aber auch so gut wie weg beim Badestop. Anschliessend gingen die Segel wieder hoch. Interessanterweise dann aber auf der anderen Schiffseite! Bisher sind wir ab Antigua nur auf Backbordbug gefahren, jetzt fahren wir erstmals auf Steuerbordbug. Effektiv haben wir eine Wende gefahren. Es fiel nur nicht auf, da wir das mit einem Segel-runter-und-rauf Manöver machten.

Ich habe damit eine Wette mit dem Steuermann gewonnen - ich sagte die Wende für den Nachmittag voraus, und er sah sie erst Tage später! Das Bier werde ich aber erst auf Madeira trinken können, da die Mannschaft für den ganzen Trip - egal ob sie auf Wache/Dienst sind oder nicht - striktes Alkoholverbot hat. Macht Sinn. Ist mir auch von den Pacific Cups vertraut, da man ja nie weiss, ob man nicht nachts raus muss für irgendwelche Manöver.

Der Koch bringt weiterhin Glanzleistungen. Sollte ich nochmal mit Sailing Classics fahren, dann sollte dieser Koch dabei sein!

Der Wind hat jetzt deutlich aufgefrischt. Heute nacht - ich bin wieder zur 4h-Wache zugestossen - haben wir noch das letzte Segel, den Fisherman, gesetzt, und dann den bisherigen Rekord von 11.3 kn Bootsgeschwindigkeit gefahren! Der Wind ging etwas später bis auf über 30 kn hoch (Windstärke 7; ist kräftig, aber auf dem Ijsselmeer sind wir schon bei Böen bis 8 unterwegs gewesen) und das Fisherman kam wieder runter. Zu viel Wind mag die Rhea nicht.

Die Wellen sind immer noch niedrig; unter einem Meter. Dazu kommt eine lange Dünung von etwa derselben Höhe. Das ist weniger, als ich erwartet hatte. Bisher ist der Atlantik noch pazifischer als der Pazifik!

Seekrank ist bisher noch keiner geworden. Inzwischen hatten wir uns aber auch an die Bootsbewegungen gewöhnt, und konnten von vorne bis hinten laufen, ohne uns überall anzuklammern. Das ist heute wieder anders geworden; festhalten ist wieder in Mode gekommen!

Von dem ursprünglichen Kurs "Geh nach Norden, dreh nach rechts" haben wir den ersten Teil abgearbeitet. Wir sind in einer großen Kurve "nach rechts", und haben in Kürze den Breitengrad von Madeira erreicht. Dann geht es noch etwas nach Norden, weil wir dadurch besseren Wind haben werden, und am Ende wieder zurück. Ich gehe nach wie vor von einer pünktlichen Ankunft aus.

Der Himmel ist zwar immer bewölkt, aber nachts können wir doch öfter einige Bereiche des sternenhimmels sehen. Das Bild anbei zeigt um ca 5h den Mond, und links davon, oberhalb der Wolke, die Venus. Ist ein bisschen verwackelt, da es doch recht dunkel ist, und lange Belichtungszeit erfordert. Mit Sonnenaufgang war nichts, dichte Wolken am Horizont blockierten alles.

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Mittwoch, 1. Mai 2019

BREAKING NEWS: Badestop

Der Kapitän hatte beschlossen, einen kleinen Badestop einzulegen. Und zwar bei 29° 50 min Nord, 56° 53 min West. Das ist 1000 km vom nächst gelegenen Land entfernt, welches die Insel Bermuda ist! Die Wassertiefe betrug ausreichende 5480 meter.

Der Wind war fast komplett eingeschlafen, das Meer war sehr ruhig; das Bild zeigt gut das fast schon spiegelnde Wasser, praktisch nicht gekräuselt, eben wegen der Abwesenheit von Wind. Das Wasser war warm; ich schätze gute 25°C.

Fast alle Gäste, und fast alle von der Crew sind ins Wasser gesprungen. Selbst der Kapitän sprang rein. Der Steuermann, der zweithöchste Rang in der Bootshierarchie, musste deswegen an Bord bleiben :-)

Ich habe meine Unterwasserkamera genommen, und bin reingesprungen. Das Rauskommen war etwas schwieriger. Die Badeleiter war zwar im Wasser, aber das Boot rollte etwas, wodurch die Badeleiter ein ordentliches Stück eintauchte, und dann wie ein Fahrstuhl in die Höhe sauste. Man musste den Moment abpassen, zu dem die Leiter am tiefsten Punkt war, und zupacken. Auf gings!

Das andere Bild zeigt den Kapitän (mit roter Kappe) und den Maschinisten.

Nun sind wir wieder unterwegs, der Wind frisccht auf, aber noch fahren wir unter Motor. Vermutlich bald werden wir wieder segeln, dann aber wohl auf Steuerbordbug.

Unter Motor

Gestern abend noch sind wir unter Wind mit 10kn gefahren. Als ich heute morgen um 4h wieder zur Wache hochging, waren das noch 6 kn, und bald danach nur noch 4 kn. Das war zu wenig, um noch einigermassen rechtzeitig in Madeira anzukommen. Da wurde dann der Motor dazugeschaltet. Jetzt fahren wir unter 3 Segeln statt 5, die nur noch wenig zur Fahrt beitragen, plus dem Motor. Der ist zwar erstaunlich leise, aber schöner war es ohne ihn. Sailing-Classics hat aber durchaus sein Versprechen erfüllt, "zu segeln, wenn möglich". Mit Verlassen des Hafens von Antigua wurde der Motor ausgeschaltet, und blieb aus bis heute morgen. Ich erwarte, dass nach einem weiteren halben Tag wieder ausreichend Wind vorhanden sein wird.

Die Vorhersagen für die Ankunft in Madeira schwanken "ein wenig" zwischen "am Vorabend des 11.5." (meine Vorhersage) und "3 Tage später" (Kapitän's Vorhersage). Mir ist das egal; ich habe Zeit!

Der Wunsch für "eine Handbreit Wasser unter dem Kiel" ist gewissermassen übererfüllt: wir haben derzeit 6000m Wasser unter dem Kiel!

Übrigens, schönen Dank für die Kommentare. Wenn Ihr aber als "Anonym" kommentiert, was ok ist, solltet Ihr wenigstens einen Hinweis geben von wem der Kommentar stammt, sonst bleibt Anonym auch für mich völlig anonym! Müßt Ihr aber nicht, wenn Ihr wirklich anonym bleiben wollt.

Gestern gab es reichlich Aktionen: Einen Wal haben wir kurzzeitig gesehen, in nur 100m Entfernung vom boot. Zuerst nur an der ausgeblasenen Wasserfontäne zu erkennen, dann kam auch der Rücken mit einem Buckel kurz nach oben. Das wars aber auch.

Später am Tag dann der erste Regenschauer. Der Wind wird dann regelmäßig kräftiger, so dass wir sicherheitshalber zwei Segel runtergenommen haben. Der Schauer ist aber ohne Probleme vorbeigegangen.

Das Meer ist jetzt noch flacher geworden und fast schon spiegelnd, da sebst die kleine Kräuselung der Oberfläche weg ist. Nur noch lange Dünung, aber auch die nur sehr moderat. Der Unterbacher See ist vermutlich bewegter!

Heute morgen konnte man erstmals den Sonnenaufgang richtig sehen. Am Horizont, an der Stelle, wo die Sonne aufging, nicht eine einzige Wolke. Ein sehr seltenes Ereignis. Nachts sieht man Jupiter, Mond, Venus aufgeben, aber bisher waren immer Wolken am Horizont im Wege. Der Mond ist ja nur noch eine dünne, weiter abnehmende, Sichel, so dass es vor Mondaufgang je nach Wolken zwischen schwarz und pechschwarz ist. Erfreulicherweise gibt es zwischen der Wolken immer freie Flächen, sodass man häufig einen Blick auf den Sternenhimmel hat. Großer Wagen, gerade noch über dem Horizont sichtbar, Kleiner wagen, Polarstern, Cassiopeia, alle sind sie da.

Gerade eben war ein wenig Aufruhr an Bord; nach über einem Tag haben wir wieder mal ein Schiff gesehen. Unser Horizont ist in einer Entfernung von ca 5 Meilen. Wir sehen also von der Welt nur diese Scheibe mit 10 Meilen Durchmesser, auf der wir uns befinden. Ein großes Schiff können wir von bis zu 15 Meilen Entfernung sehen, aber auch nur, wenn es hohe Aufbauten hat.

In meinem Zimmer wurde umgebaut. Das Doppelbett ist auseinandergeschraubt, und die vordere Hälfte an die vordere Wand geschoben. Das eigentlich gegen das Herausfallen schützen sollende "Lee Brett" erwies sich als Flop. Jetzt werde ich durch die Schräglage an die Wand gequetscht; wenn ich bei Backbordbug Kurs in das eine, und bei Steuerbordbug Segeln in das andere Bett lege.

Noch läuft der Motor. Anbei ein Bild mit unserer bisherigen route: in Rot unsere Position; in Gelb das Ziel Madeira.

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