Gestern abend noch sind wir unter Wind mit 10kn gefahren. Als ich heute morgen um 4h wieder zur Wache hochging, waren das noch 6 kn, und bald danach nur noch 4 kn. Das war zu wenig, um noch einigermassen rechtzeitig in Madeira anzukommen. Da wurde dann der Motor dazugeschaltet. Jetzt fahren wir unter 3 Segeln statt 5, die nur noch wenig zur Fahrt beitragen, plus dem Motor. Der ist zwar erstaunlich leise, aber schöner war es ohne ihn. Sailing-Classics hat aber durchaus sein Versprechen erfüllt, "zu segeln, wenn möglich". Mit Verlassen des Hafens von Antigua wurde der Motor ausgeschaltet, und blieb aus bis heute morgen. Ich erwarte, dass nach einem weiteren halben Tag wieder ausreichend Wind vorhanden sein wird.
Die Vorhersagen für die Ankunft in Madeira schwanken "ein wenig" zwischen "am Vorabend des 11.5." (meine Vorhersage) und "3 Tage später" (Kapitän's Vorhersage). Mir ist das egal; ich habe Zeit!
Der Wunsch für "eine Handbreit Wasser unter dem Kiel" ist gewissermassen übererfüllt: wir haben derzeit 6000m Wasser unter dem Kiel!
Übrigens, schönen Dank für die Kommentare. Wenn Ihr aber als "Anonym" kommentiert, was ok ist, solltet Ihr wenigstens einen Hinweis geben von wem der Kommentar stammt, sonst bleibt Anonym auch für mich völlig anonym! Müßt Ihr aber nicht, wenn Ihr wirklich anonym bleiben wollt.
Gestern gab es reichlich Aktionen: Einen Wal haben wir kurzzeitig gesehen, in nur 100m Entfernung vom boot. Zuerst nur an der ausgeblasenen Wasserfontäne zu erkennen, dann kam auch der Rücken mit einem Buckel kurz nach oben. Das wars aber auch.
Später am Tag dann der erste Regenschauer. Der Wind wird dann regelmäßig kräftiger, so dass wir sicherheitshalber zwei Segel runtergenommen haben. Der Schauer ist aber ohne Probleme vorbeigegangen.
Das Meer ist jetzt noch flacher geworden und fast schon spiegelnd, da sebst die kleine Kräuselung der Oberfläche weg ist. Nur noch lange Dünung, aber auch die nur sehr moderat. Der Unterbacher See ist vermutlich bewegter!
Heute morgen konnte man erstmals den Sonnenaufgang richtig sehen. Am Horizont, an der Stelle, wo die Sonne aufging, nicht eine einzige Wolke. Ein sehr seltenes Ereignis. Nachts sieht man Jupiter, Mond, Venus aufgeben, aber bisher waren immer Wolken am Horizont im Wege. Der Mond ist ja nur noch eine dünne, weiter abnehmende, Sichel, so dass es vor Mondaufgang je nach Wolken zwischen schwarz und pechschwarz ist. Erfreulicherweise gibt es zwischen der Wolken immer freie Flächen, sodass man häufig einen Blick auf den Sternenhimmel hat. Großer Wagen, gerade noch über dem Horizont sichtbar, Kleiner wagen, Polarstern, Cassiopeia, alle sind sie da.
Gerade eben war ein wenig Aufruhr an Bord; nach über einem Tag haben wir wieder mal ein Schiff gesehen. Unser Horizont ist in einer Entfernung von ca 5 Meilen. Wir sehen also von der Welt nur diese Scheibe mit 10 Meilen Durchmesser, auf der wir uns befinden. Ein großes Schiff können wir von bis zu 15 Meilen Entfernung sehen, aber auch nur, wenn es hohe Aufbauten hat.
In meinem Zimmer wurde umgebaut. Das Doppelbett ist auseinandergeschraubt, und die vordere Hälfte an die vordere Wand geschoben. Das eigentlich gegen das Herausfallen schützen sollende "Lee Brett" erwies sich als Flop. Jetzt werde ich durch die Schräglage an die Wand gequetscht; wenn ich bei Backbordbug Kurs in das eine, und bei Steuerbordbug Segeln in das andere Bett lege.
Noch läuft der Motor. Anbei ein Bild mit unserer bisherigen route: in Rot unsere Position; in Gelb das Ziel Madeira.

1 Kommentar:
Halloechen, es freut mich, zu hoeren, dass es euch allen an Bord gut geht. Scheint ja noch niemand seekrank geworden zu sein.
Toll, dass man schoene Sonnenuntergaenge und viele Sterne sieht. Und das mit den Betten war ne gute Idee. Was machen denn die anderen, haben die morgens immer Beulen vom "zusammenstossen" ?
Ros.
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