Das SATphone

Auf hoher See funktionieren weder Festnetz, noch "Handy", noch Email, noch Internet. Jedoch, mit einem Satelliten-Telephon -- kurz: SATphone -- kann man ein bisschen was von allem haben. Aber wirklich nur ein bisschen!

Doch beklagen wir uns nicht. Dass es überhaupt geht, ist ja schon ein kleines Wunder.

Während die typischen SATphones noch immer rechte Klötze sind, an die Anfangsjahre des Handy Booms erinnernd, ist Iridium mit seinem Iridium Go! SATphone einen neuen Weg gegangen. Das Go! ist im Bild der kleine Kasten mit aufgerichteter Stummelantenne rechts auf der Tastatur des kleinen 13 Zoll Laptops. Dieser Kasten funktioniert als Router wie z.B. eine Fritz!Box zuhause und spannt ein WLAN auf, an dem sich bis zu 5 Geräte, seien es Smartphones, Tablets, oder Laptops, gleichzeitig anmelden können. Auf den Displays von Smartphone und Laptop kann man die Verbindung von beiden mit dem Go! erkennen.

Telefoniert wird vom Smartphone aus mittels der Iridium Go! App.

Eine Email können Sie mit der weiteren App Iridium Mail mit dem Smartphone verschicken (mühselig) einschließlich eines Bildes im Anhang, oder bequemer mit einem geeigneten Email Programm auf dem Laptop. Ebenso können Sie Emails empfangen, auch mit einem Anhang von z.B. Winddaten und anderen Wettervorhersagen, die dann auf dem Boot ausgewertet werden können.


 

Aber ...

... das ganze ist laaaaaaaangsam! Während einige Haushalte heute schon einen Glasfaseranschluss mit einer Geschwindigkeit von 1.000.000.000 Bit/s haben, viele wenigstens einen Anschluss mit 16.000.000 Bit/s, bietet das SATphone gerade einmal 2.400 Bit/s. Und das auch nur bei bestem Satellitensignal; bei schlechtem Signal kann die Rate auf ein Zehntel einbrechen oder ganz aussetzen. Nicht einmal zu AOL Zeiten - erinnert sich noch jemand daran? - war die Geschwindigkeit eines Internet Anschlusses so niedrig.

Internet "surfen" geht nur theoretisch; Email geht mit Vorbehalt.

Doch letztlich gibt es keine Alternativen. Vor 20 Jahren haben wir auf dem Pacific Cup 1998 erstmals Emails per Kurzwellenfunk übertragen. Das ging mit 100 Bit/s - ein Fernschreiber war schneller, ganz zu schweigen von jemandem mit 10-Finger-Schreibmaschinen Fähigkeiten. Aber es ging. In den Folgejahren verbesserte sich die Geschwindigkeit nur etwas (durch bessere Modulationstechnik), in 2004 hatten wir bereits ein SATphone, nur funktionierte der Datentransfer nicht dank schlechter Windows-Treiber, und selbst in 2006 war das Problem nicht gelöst. In 2008 und 2010 funktionierte es dann, und zwar bereits mit der heutigen Geschwindigkeit. Schneller geworden ist es bisher nicht.

 

... und teuer!

Ein Iridium Go! kostet neu etwa 850€ (reguläre SATphones noch 50% mehr; die sind aber noch immer problematisch für die Datennutzung). Meines ist gemietet für ca 6€/Tag von satrent.de. Auch dies funktionierte nicht ungetrübt. Erst ein Austauschgerät tat es, und auch dann gab es Probleme, die erst im Kontakt mit den Iridium Technikern gelöst werden konnten. Hervorzuheben ist hier das engagierte und schließlich erfolgreiche Bemühen der Firma satrent, alle meine Probleme zu lösen! Nun sollte es gehn.

Dazu kommen noch die Nutzungspreise, die pro Minute bis zu 2€ betragen! Damit kann selbst eine kurze Email schnell in die 5-10€ Gegend gehen. Das erinnert an die guten, alten Zeiten als die Telekom noch Deutsche Post hieß, bei der ein Gespräch in die USA auch im 2 DM pro Minute Bereich lag.


Welche Art SATphones gibt es eigentlich?

Es gibt weltweit vier Unternehmen, die SATphone Technik anbieten. Zwei davon (Inmarsat, Thuraya) nutzen geostationäre Satelliten, die in ca 36000 km über der Erde festzustehen scheinen. Wegen der großen Entfernung braucht man tendenziell mehr Sendeleistung, und muss seine Antenne ungefähr auf den Satelliten ausrichten. Je näher man den Polen kommt, desto schwieriger bis letztlich unmöglich wird somit der Kontakt zum Satelliten.

Zwei weitere Unternehmen (Globalstar, Iridium) nutzen Satelliten, die in nur etwa 1000 km Höhe um die Erde fliegen, etwa doppelt so hoch wie die Internationale Raumstation ISS. Dadurch müssen die Satelliten schnell fliegen, und sind für einen Nutzer nur etwa 10min lang verfügbar, dann muss der nächste Satellit das Gespräch übernehmen. Globalstar benötigt für den ungestörten Gesprächsfluss Bodenstationen. Da diese auf den Ozeanen aber nicht existieren, ist Globalstar für Trans-Ozean Reisen ungeeignet. Bleibt Iridium.

Bei diesem wird ein Gespräch von Satellit zu Satellit weitergereicht, bis es an eine Bodenstation übergeben werden kann. Dadurch ist Iridium weltweit und auch an den Polen einsetzbar! Es benötigt dafür aber viele Satelliten, und hat derzeit 66 im Umlauf. Übrigens: Iridium ist der Name eines chemischen Elementes mit der Ordnungszahl 77 - und Iridium hatte ursprünglich vor, 77 Satelliten in den Umlauf zu bringen.

Aber auch 66 Satelliten sind so wenig, dass eine SATphone Verbindung nur dann zustande kommt, wenn man im Freien ist und den ganzen Himmel sehen kann. Innerhalb einer Wohnung ist eine Verbindung so gut wie immer unmöglich; auf dem Ozean sollte es in aller Regel klappen.